Magnus Hirschfeld: Umfrage von 1899 zur Lebenswelt von Homosexuellen im Deutschen Kaiserreich
(aufgrund der Seelsorgeberichte katholischer Pfarrer)

1. Vorbemerkungen und Zeitgeschichte

Im Jahre 1899 versandte Magnus Hirschfeld im Namen des von ihm gegründeten Wissenschaftlich-humanitären Komitees Fragebögen an katholische Pfarrer, und zwar nur in die mehrheitlich katholischen Gebiete im westlichen und südlichen Teil des damaligen Deutschen Reichs. In den Fragebögen sollten die Pfarrer Auskunft über ihre seelsorgerlichen Erfahrungen mit Homosexuellen geben. Die Ergebnisse veröffentlichte Hirschfeld im zweiten "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" ein Jahr darauf (Urteile römisch-katholischer Priester über die Stellung des Christentums zur staatl. Bestrafung der gleichgeschlechtlichen Liebe., in: Hirschfeld, Magnus (Hrsg.): Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualität, 2.Jahrgang, Leipzig 1900(1), 161-203). Alle folgenden Zitate mit Seitenangaben (S.) innerhalb des Textes beziehen sich auf diesen Aufsatz.

Warum der (katholischen) Pfarrerschaft eine so pionierhafte Rolle bei diesen ersten Untersuchungen zugewiesen wurde, begründet Hirschfeld mit ihren "ganz besonderen Erfahrungen" und nennt auch "das pflichtmäßige Interesse, welches sie dem Gegenstande widmen muss"(S.161), womit Seelsorge und Beichte gemeint sein dürften. Gleichzeitig scheint Hirschfeld auch ein ethisch gegründetes Vertrauen eher in katholische Pfarrer zu setzen, wenn von ihm ihr "hoher sittlicher Ernst"(S.161) genannt wird. Hirschfeld zitiert in den Vorbemerkungen zur Auswertung des Fragebogens die Bemerkung eines Mitgliedes "des hochwürdigsten deutschen Episkopats ..., dass ... die Beseitigung des hier in Frage kommenden Gesetzes (§ 175 R.-Str.-G.-B.) mit Recht gefordert werden dürfe."(S.162)

Der § 175, durch den Homosexualität unter Strafe gestellt wird, wurde erst 1871 bei der Reichseinigung vom preußischen Strafgesetz auf ganz Deutschland ausgedehnt. Außerdem betont Hirschfeld hier, es seien "fast sämtliche rein katholische Kulturländer (auch Bayern …) ... entschlossen, das auf einem error legislatoris aufgebaute Gesetz abzuschaffen“.(S.163)

Dazu passend hatte Hirschfeld vermutlich auch festgestellt, dass bei aller Homophobie der katholischen Kirche und päpstlichen Lehre diese von der damaligen evangelischen Kirche im Durchschnitt an Homophobie noch übertroffen wurde. Als sich August Bebel, der damalige Vorsitzende der SPD, das Anliegen Hirschfelds zu Eigen machte und im Januar 1898 im Reichstag zugunsten der Petition für die Abschaffung des § 175 sprach, kam die schärfste Gegenrede nicht vom katholischen Zentrum, sondern von Martin Schall, einem evangelischen Pfarrer und Abgeordneten der reaktionären Deutschkonservativen Partei. Schall empört sich in seiner Reichstagsrede darüber, "daß Männer von öffentlicher Stellung und sittlichem Urtheil eine solche Petition einreichen können; denn meine Herren, es handelt sich hier um ein Verbrechen, welches bereits der Apostel Paulus als eine der schlimmsten Versündigungen und Lastern des alten Heidenthums im Briefe an die Römer im ersten Kapitel hingestellt hat"(2). Im Blick auf die Strafen des §175 verlangt er "ihre volle rücksichtslose Durchführung in der Praxis der Polizei- und Rechtspflege".(3)

2. Die 3 Fragen des Fragebogens

- Die erste der knappen Fragen bewegt sich in der Empirie. Der Pfarrer soll beantworten, ob er homo- oder bisexuellen Menschen in der pastoralen Arbeit begegnet und deren Existenz bestätigen kann.

- Die zweite Frage betrifft die ethische Dimension der Homosexualität, nämlich ob "die homosexuelle Empfindung als solche mit dem sittlichen Wert oder Unwert des Menschen in .. Zusammenhang steht".(S.164)

- Die dritte Frage betrifft die seelsorgerlich-pastorale Dimension und die psychologischen Auswirkungen der homophoben Atmosphäre der Gesellschaft auf die Homosexuellen selbst, ob "der homosexuell angelegte Mensch ... einen oft noch härteren ... Kampf zu bestehen hat, als er im Durchschnitt dem heterosexuellen auferlegt zu sein pflegt."(S.164)

3. Unterschiedliche Reaktionen

Eine erste Gruppe von Reaktionen enthielt keine Antwort auf die drei Fragen, dafür aber aggressiv homophobe Bemerkungen und bediente sich dabei "äusserst leidenschaftlicher Formen und nicht wiederzugebender Ausdrücke."(S.165)

Eine zweite Gruppe antwortete gar nicht, und Hirschfeld erklärt dies damit, dass in diesem Fall der Pfarrer (kirchliche) "Konsequenzen irgend welcher Art fürchtete."(S.165)

Eine dritte Gruppe antwortete auf einem sehr niedrigen, nicht einzuordnenden und nicht verwertbaren pastoralen Reflexionsniveau.

Eine vierte Gruppe von 25 Pfarrern antwortete "auf Grund ihrer pastoralen Erfahrungen, ... zum Teil in äusserst wertvoller und denkwürdiger Weise, was von naturwissenschaftlicher Seite über die Homosexualität festgestellt ist."(S.166) Deren Antworten wertete der Aufsatz aus, und sie werden von mir im Folgenden entfaltet.

Um diese überraschende Einstellung und Sensibilität einiger katholischer Seelsorger der vierten Gruppe vor über 100 Jahren der Nachwelt zu erhalten, schreibe ich diesen Aufsatz. Gerade wenn man sich die Homophobie der aktuellen Vatikan-Denkschrift(4) zur Homosexualität anschaut, ist es gut, wahrzunehmen, dass ein Teil der katholischen Kirche im 19.Jahrhundert schon einmal liberaler und weiterentwickelt war.

4. Antworten auf die erste(5), die empirische Frage

4.1. Die Anzahl von Homosexuellen in der Seelsorge

Praktisch alle Pfarrer bestätigen, dass viele Menschen mit ihnen über ihre Homosexualität sprechen wollen.
- So hat ein Pfarrer zur Homosexualität "tausende von Beichten entgegengenommen, .. Männern und Frauen, Greisen und Jünglingen, Landleuten und Städtern, Menschen der obersten und untersten Stände ins Gewissen geschaut".(S.166)
- Ein zweiter schreibt, er "stehe seit Jahren in der Seelsorge und kann bezeugen, dass es nicht wenig Menschen giebt, denen von Natur aus die Leidenschaft ... nur zum eigenen Geschlecht eingepflanzt ist. Desgleichen kann ich bezeugen, dass eine noch größere Zahl von Menschen, Männern sowohl als Frauen, mannigfach abgestufte bisexuelle Anlagen aufweist. ... am meisten vielleicht unter dem Klerus."(S.173)
- Ein dritter älterer Pfarrer ist aufgrund seiner "35jährigen Praxis ... überzeugt, (br)dass es ... Menschen, die im höheren Masse vom eigenen Geschlecht sich angezogen fühlen"(S.178), gibt.
Andere betonen die Häufigkeit der Homosexualität mit Worten wie "öfters", "öfter vorkommen, als man anzunehmen geneigt ist", "nicht/keineswegs selten", "gar nicht selten anzutreffen", "etliche", "ziemlich häufig".
- Ein Pfarrer schließlich antwortet: "habe ... mehrmals solche Fälle erlebt, .. bin auch selbst 'homosexuell'."(S.190)

4.2. Homosexualität: naturrechtlich als angeborene sexuelle Orientierung

Praktisch alle deuten die empirisch gegebene Homosexualität als natürliche, angeborene, objektiv (vom Schöpfer) vorgegebene, vorreflexive Anlage und nicht als eine durch eine persönlich-subjektive Entscheidung begründete Orientierung:
- Es gibt „eine ansehnliche Zahl von Männern und Frauen .., die sich … mit physischer Notwendigkeit nicht vom andern, sondern vom eigenen Geschlecht sexuell angezogen fühlen.“(S.167)
- „Denn dass ihr Trieb ebenso der Natur entspringt wie der des gewöhnlichen Menschen, darüber ist gar kein Zweifel möglich“.(S.181)
- Die „sexuellen Akte zwischen Personen desselben Geschlechts … sind … das Ergebnis eines heftigen Naturtriebs, wie die sexuellen Akte zwischen Mann und Weib.“(S.181)
- Ein anderer „sagt, wenn man ihn köpfen oder hängen würde, könnte er’s nicht lassen“.(S.169)(6)

4.3. Theologische Würdigungen der empirischen Tatsachen

Für viele der 25 Pfarrer hat die empirische Tatsache des häufigen Auftretens von Homosexualität als natürlich angeborene sexuelle Orientierung auch eine theologische Bedeutung - entsprechend einem neuzeitlichen theologischen Ansatz, nach dem das Heilige zwar nicht abhängig werden darf von der vorfindlichen Empirie und diese durchaus überschreiten soll, die Heiligkeit Gottes aber niemals in einer totalen Negation der vorfindlichen Empirie beschrieben werden darf, sondern die empirischen Gegebenheiten wahrgenommen und in eine Theologie integriert werden müssen.(7)

Da strafbar nur solche Taten sind, die auf einer freien, verantwortlichen Handlung beruhen, wird dementsprechend von den meisten auch die Abschaffung des § 175 gefordert.

"Es ist eine Erscheinung, mit der wir uns, als einmal gegeben, abfinden müssen, dass die fleischliche Liebe nicht exklusiv an das entgegengesetzte Geschlecht gebunden ist"(S.166), stellt ein Pfarrer fest. Ein weiterer schreibt, dass "auf diesem Gebiet Theorie und Wirklichkeit nicht im Einklang stehen."(S.185)

Mit einer schöpfungstheologisch-naturrechtlichen Argumentation wird die Abschaffung des § 175 mehrfach gefordert:
- Der Homosexuelle „kann nicht anders fühlen, als er fühlt, und alle … würden ganz genau wie er empfinden, wenn sie vom Schöpfer eine gleiche Natur erhalten hätten.“(192f) Daraus folgert er: „Die Beseitigung … des § 175 darf daher mit vollstem Recht gefordert werden.“(S.193)
- Ein weiterer Pfarrer schreibt: „Der Homosexuelle ist für die Gefühlsanlage, welche ihm der Schöpfer verliehen hat, ebenso wenig verantwortlich als ein anderer Mensch für die seine.“(S.174) Deshalb „mögen .. sich die christlichen Parteien des Reichstags wohl überlegen, den § 175 … aufrecht zu erhalten … unter Berufung auf Religion und Christenthum“.(S.174)(8)
- Ein Pfarrer schreibt: „bin auch selbst ‚homosexuell‘ … Ich könnte mich höchstens für meinen Schöpfer schämen, was mich aber weder christlich noch vernünftig dünkt.“(S.190)

Weitere Pfarrer fordern die Abschaffung des Paragraphen ebenso mit empirisch-naturrechtlichen Argumenten:
- "Seine Natur kann sich aber der Mensch nicht selber auswählen … Eine Abänderung des § 175 halte ich darum für eine Forderung der Gerechtigkeit."(S.187)
- Ein anderer schreibt auf dieser Basis einer mit der Empirie versöhnten Ethik: „Die Thatsache leugnen, dass es gleichgeschlechtlich organisierte Naturen giebt, heisst somit, … eine Schädigung der Sittlichkeit veranlassen … . Deswegen habe ich gegen die Bestrebungen des w.-h. Komitees … nichts einzuwenden, sofern dieselben .. auf Beseitigung des § 175 abzielen.“(S.184)(9)

Zwei weitere Pfarrer bringen es mit einer positiven Formulierung auf den Punkt:
- "Denn nach meiner Ansicht kann weder den Interessen der Sittlichkeit, noch denen der Religion und der Gesellschaft ein Dienst geleistet sein, wenn wir unangenehme Thatsachen kurzer Hand in Abrede stellen, statt dass wir sie in kluge Berechnung zögen"(S.190).
- "Der Homosexualismus soll christlicherseits nicht geleugnet, sondern es soll mit ihm vernünftig gerechnet werden."(S.191)

4.4. Empirische Tatsachen und kirchliche Lehre

Bei aller Fortschrittlichkeit und theologischen Wahrnehmung der empirisch gegebenen Homosexualität durch viele antwortende Pfarrer einerseits hatten selbst diese Pfarrer andererseits die moralische Ablehnung der Homosexualität durch die kirchliche (römisch-vatikanische) Lehre internalisiert.

Ein – nicht wirklich rational überzeugender – Lösungsversuch dieses Konflikts ist die Trennung von Empirie und religiöser Ethik. Dies steht im Zusammenhang mit der (das 19.Jahrhundert beeinflussenden) Kantschen Trennung von auf die Empirie bezogener, rationaler, reiner Vernunftdimension einerseits und praktischer Vernunft, Ethik, Glaube andererseits. Diese ist zusammengefasst in den berühmten Sätzen von Immanuel Kant, man müsse „alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft für unmöglich erklären. Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen“.(10) (Er meinte damit, er habe die Grenzen der Möglichkeit des rationalen Wissens aufgezeigt.)

So würdigt ein Pfarrer einerseits im theologisch-aufgeklärten Geist Empirie und Naturwissenschaft: „In naturwissenschaftlichen Fragen darf die heilige Schrift nicht zu Beweisen herangezogen werden.“(S.167) Andererseits verteidigt er die homophobe, kirchliche Lehre unter Bezug auf die homophoben Verse in Röm 1, die in der „Frage nach der Sündhaftigkeit homosexueller Akte … selbstverständlich den Charakter einer dogmatisch verbindlichen Norm“(S.167) trügen."

Ein anderer Pfarrer würdigt aufklärerisch-empirisch die homosexuellen Neigungen, „für welche der Mensch, eben weil sie angeboren sind, nicht verantwortlich gemacht werden darf.“(S.188) Andererseits gilt für ihn zweifelsfrei: Es „hat sich der katholische Christ und hat sich namentlich der katholische Priester nach dem Urteil seiner Kirche zu richten“.(S.188)

5. Ethische Gesamturteile über Homosexuelle gemäß der 2.Frage(11)

Ziemlich durchgängig bestätigen die Pfarrer, dass Homosexuelle nicht unter dem ethischen Durchschnittsniveau der Gesellschaft liegen, sondern eher darüber:

- „Ja, ich muss sogar bemerken, dass gerade auffällig ideal und vornehm angelegte Naturen .. mit der … Geschlechtsrichtung behaftet sind.“(S.173)
- „Die besten, gelehrtesten und frömmsten Menschen haben manchmal die homosexuelle Anlage“.(S.178)
- „Ich habe sehr religiös gesinnte und brave Personen kennen gelernt, welche mit dieser Leidenschaft“(S.183f) ausgestattet waren.
- „Ich kenne zwei … Pfarrkinder, die homosexuell veranlagt sind und waren diese stets, sowohl in der Christenlehre, wie jetzt als Männer Mustervorbilder im sittlichen Verhalten.“(S.179f) Derselbe Pfarrer zieht folgendes Resümee: „Der sittliche Wert oder Unwert des Menschen hängt nicht mit der homosexuellen Veranlagung zusammen.“(S.179)(12)

6. Forderung nach empathischer Seelsorge unter Bezug auf die 3.Frage(13)

Fast alle Pfarrer berichten in Beantwortung der 3.Frage von den überdurchschnittlichen seelischen Lasten der damaligen Homosexuellen.

Über die aufklärerische Wahrnehmung der Homosexualität hinaus fordern einige Pfarrer im sehr modernen Sinn eine empathische, situative, auf Homosexuelle bezogene Pastoral und Seelsorge:
- Der Homosexuelle hört „selten oder nie … ein Wort liebevoller Mahnung …, das seiner individuellen Eigenart … angepasst wäre.“(S.174)
- „Dass hier … der Seelsorge und der christlichen Liebe noch eine grosse, bisher ungelöste Aufgabe wartet, kann ich nach all den Erfahrungen … nicht in Abrede stellen.“(S.180)

7. Zusammenfassung

Eine ganze Reihe katholischer Pfarrer kam schon vor über 100 Jahren - trotz homophober kirchlicher Vorgaben - zu einem erstaunlich reflektierten, auf der pastoralen Praxis und Erfahrung beruhenden Urteil über Homosexualität.
Sie erkennen Homosexualität als unabänderliche, natürlich-empirische sexuelle Orientierung an, die in keinem Zusammenhang mit dem ethischen Wert eines Menschen steht. Deshalb setzen sie sich für eine Abschaffung des § 175 ein.

Kein einziger dieser überdurchschnittlich fortschrittlichen Pfarrer kann sich allerdings vollkommen aus dem homophoben kirchlichen Milieu befreien. Auch wenn sie den bisherigen kirchlichen Umgang mit Homosexuellen kritisieren, findet kein einziger zu einer positiven ethischen, moraltheologischen Würdigung der Homosexualität.

Lediglich die Entwicklung einer wertschätzenden Seelsorge wird von zwei Pfarrern gefordert.

Trotz allem war humanes Denken gegenüber Homosexuellen in der katholischen Kirche um die Jahrhundertwende verbreiteter, als man zumeist vermutet.

Hier findet sich ein grundsätzlicher Artikel zum Verhältnis von Homosexualität und christlichem Glauben: Artikel

Anmerkungen

  1. Das gesamte Jahrbuch kann im Internet gelesen werden: Archiv

  2. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. 1897/98. 1.Band: Von der Eröffnungssitzung am 30.November 1897 bis zur 30.Sitzung am 1.Februar 1898, S. 517 (20.Sitzung, Mittwoch, den 19.Januar 1898)

  3. a.a.O.

  4. Vgl. die Analyse: Scheel, Wolfgang: Homosexualität ist widernatürlich und gleichzeitig eine freie Handlungsoption. Argumentationshilfe zur Dekonstruktion sich widersprechender anti-queerer Behauptungen, in WeSTh 14 (2/2007), 217-224 (= Scheel)

  5. S.o. Kap.2..

  6. 3 weitere Berichte von Pfarrern: „Auch trifft man Menschen, die von einer Neigung zum andern Geschlecht überhaupt gar nichts wissen.“ (S. 181) – Ein Pfarrer berichtet von einem seelsorgerlichen Gespräch: „Verursacht Euch das weibliche Geschlecht keine Versuchungen? ‚Gar keine. Davon … hab‘ ich mein Lebtag nichts gewusst.‘“ (S. 169) - „Der Gedanke an ein Weib … ist mir vollkommen fremd.“ (S. 170)

  7. Vgl. die Analyse des Naturbegriffs im aktuellen Vatikanpapier zur Homosexualität: "dass also Homosexualität beim Menschen, auch wenn sie empirisch gar nicht so selten vorkommt, doch gegen die Natur (Gottes) im theologischen Sinne verstößt.“ (Scheel, 223) Kritisch kann man darauf antworten: „Diese theologisch-philosophische Argumentation würde aber Gott, seine Wirklichkeit als das im Hegelschen Sinne "schlechte Unendliche" erweisen, das sich im Gegensatz zur endlichen empirischen Wirklichkeit versteht, sich dualistisch zur Welt verhält, statt diese zu integrieren und ernstzunehmen. Dies würde auch einer doketischen Christologie entsprechen, insofern Gott in Jesus Christus nicht wirklich Mensch geworden ist." (Scheel, 223f)

  8. S.o. Kap. 1, letzter Absatz mit kurzen Bemerkungen zum Grad der Homophobie christlicher Reichstagsabgeordneter.

  9. Weitere Pfarrer sprechen ihre Forderung nach Abschaffung des § 175 aus: „den Homosexuellen … als Verbrecher behandeln … das wird man doch wohl als eine Verirrung der Justiz bezeichnen müssen.“ (S. 175) – „Ich halte den § 175 des R.Str.G..B. für eine Ungerechtigkeit solchen unglücklich angelegten Menschen gegenüber.“ (S. 179) – „§ 175 …: Wenn er nicht da wäre, würde ihn kein Mensch vermissen“. (S. 188)

  10. Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft, Leipzig 1979, 32 (Vorrede zur zweiten Ausgabe, 1787 (B XXX))

  11. S.o. Kap.2..

  12. Weitere Pfarrer äußerten sich in diesem Sinne über Homosexualität: „Einen Schluss auf den sittlichen Wert des Menschen gestattet sie nicht.“ (S. 174) – „Homosexualität .. steht .. in keinem Zusammenhang mit dem sittlichen Wert oder Unwert des Menschen.“ (S. 182) – Homosexuelle „dürfen der blossen Anlage wegen keineswegs als sittlich inferior bezeichnet werden.“ (S. 183) – Ein weiterer Pfarrer sagt, dass einen wegen Homosexualität Verurteilten „man .. schlecht nicht heissen konnte.“ (S. 185) – Man könne nicht „den Wert des Menschen danach bemessen .., ob ihm der Weiberzopf besser gefällt als das Lockenhaupt des Jünglings“. (S.190) – „Es giebt … keinen Grad sittlicher Tüchtigkeit, durch den eine homosexuelle Gefühlsrichtung ausgeschlossen wäre.“ (S. 193)

  13. S.o. Kap.2.


    Wolfgang Scheel


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